Weihnachtsbräuche

Kerzen am Weihnachtsbaum, Adventskranz, Geschenke, und Leckereien - das alles gehört zum traditionellen Weihnachtsfest. Doch so alt und ehrwürdig, wie wir glauben sind unsere Weihnachtsbräuche nicht. Viele wurden erst vor relativ kurzer Zeit erfunden. Die Familienweihnacht mit Festessen und Tannenbaum gibt es erst seit ca. 150 Jahren. Im Mittelalter wurde Weihnachten vorwiegend öffentlich gefeiert: Weihnachtsmärkte, Festumzüge und Krippenspiele fanden auf der Straße und in der Kirche statt.  

Wir stellen die wichtigsten Weihnachtsbräuche vor und erläutern die Entstehung und Bedeutung.

Nikolaus

Nikolaus wirkte im 4. Jahrhundert als Bischof von Myra (Lykien), damals Teil des Römischen Reiches, später des byzantinischen Reiches, heute der Türkei. Myra, heute Demre, ist ein kleiner Ort ca. 100 km westlich von Antalya und war damals Bischofssitz. Die Legenden über sein Leben beziehen sich aber nicht nur auf den Bischof sondern auch auf einen Abt gleichen Namens des Kloster Sian bei Myra. Nikolaus gilt als der Schutzpatron der Benachteiligten, also vor allem auch der Kinder. Sein traditionelles Gewand war das eines Bischofs in rot-weiß. Der Gedenktag des Heiligen am 6. Dezember geht auf eine religiöse Ordnung der Kirche zurück. Dabei wurden die Kinder von Nikolaus befragt, ob sie denn auch brav und fromm waren. Der Brauch, nachts die Schuhe zu füllen, basiert auf der Legende von den drei Jungfrauen, die nachts vom Nikolaus beschenkt wurden. Ursprünglich war der Nikolaustag auch der Tag der Weihnachtsbescherung, in einigen Ländern ist er das noch heute.

 

Christkind

Das Christkind als Geschenkebringer ist nicht aus einem Volksbrauch entstanden.

Es wurde von Martin Luther als Weihnachtsfigur erfunden, die statt des Heiligen Nikolaus die Weihnachtsgeschenke bringt. Vor allem in Süddeutschland hat sich das trotz der katholischen Prägung bis heute erhalten. Dabei wurde auch der Geschenketag vom 6. Dezember auf den 24./25. Dezember verlegt.

Weihnachtsmann

Noch sehr viel jünger als das Christkind ist der Weihnachtsmann. Allerdings weiß man nicht so genau wer ihn erfunden hat. Die Figur geht aber sicher auch auf den Heiligen Nikolaus zurück 

Als erster schriftlicher Nachweis jedoch ist er in dem bekannten Lied von Hoffmann von Fallersleben "Morgen kommt der Weihnachtsmann" (1835) erwähnt. Seitdem steht er als      Gabenbringer in starker Konkurrenz zum Christkind und hat es vielerorts ersetzt. 

In den Vereinigten Staaten von Amerika gilt die Coca Cola Company als Erfinder des Santa Claus (englische Bezeichnung des Weihnachtsmannes). Das trifft jedoch nicht zu. Erstens wurde die Coca Cola Company erst 1886 gegründet, also deutlich nach 1835, und zweitens wurde der Santa Claus erst 1920 erstmals in der Weihnachtswerbung von Coca Cola verwendet. Santa Claus kommt jeweils in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember durch den Kaminschornstein und befüllt neben dem Kamin hängende Socken mit Geschenken.

Weihnachtsbaum

Ein grüner Zweig mitten im Winter: Das war schon im Mittelalter ein Zeichen für Hoffnung und neues Leben. Man hängte Misteln, Tannen- oder Eibenzweige auf, um die Weihnachtszeit zu feiern. 

Erst um 1800 setzte die Mode ein, sich einen Tannenbaum ins Wohnzimmer zu holen. Damals hing der Baum übrigens von der Decke herunter. Heute steht er auf dem Boden und in den meisten Familien liegen die Geschenke unter dem Baum.

Adventskranz

Den Adventskranz gibt es erst seit 1839: Damals baute der Erzieher Johann Hinrich Wichern aus Hamburg einen Holzkranz mit 23 Kerzen, um seinen Zöglingen das Warten auf Weihnachten zu verkürzen.

Erst um 1900 hatte sich der Kranz - jetzt nur noch mit vier Kerzen und aus grünen Zweigen hergestellt - in ganz Deutschland verbreitet. 

Adventskalender

Die Idee stammt von dem Münchner Unternehmer Gerhard Lang. Er druckte 1903 den ersten Adventskalender mit 24 Feldern, auf die Kinder bunte Bildchen kleben konnten. Erst 1958, also  Jahrzehnte später, bekam der Kalender Türchen mit Schokolade dahinter.  

Der weltweit größte Adventskalender steht in Leipzig im Böttchergässchen. Die "Türchen" sind

3 x 2 Meter groß und werden täglich geöffnet.

Pink Christmas

Die Idee stammt von dem Münchener Unternehmer Robert Maier-Kares. Er veranstaltete 2005 den ersten schwul-lesbischen Weihnachtsmarkt in München. Was 2005 als Wochenend-Veranstaltung begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einem höchst lebendigen Fixpunkt in der Münchner Adventszeit gemausert: Der kleinste Weihnachtsmarkt der Stadt ist mittlerweile einer der bekanntesten. Dazu tragen nicht nur die originellen Shows oder die nicht alltäglichen Verkaufsstände bei. Basis des Erfolgs ist das Publikum: eine Mischung aus Lesben, Schwulen, Anwohnern, Gästen und den Partywütigen, die das Viertel nicht nur an den Wochenenden für sich entdeckt haben. Hinzu kommt: Pink Christmas ist der einzige Weihnachtsmarkt der Innenstadt, der bis 22 Uhr geöffnet ist. Auf der kleinen Bühne sind Travestie-Stars Gene Pascale, Baby Bubble oder Whitney-Double Ikenna Benéy mit von der Partie, ebenso wie DJ James Munich, Kabarettist Thomas Mack und TV-Star Lilo Wanders.