Nach Roger Caillois (* 3. März 1913 in Reims; † 21. Dezember 1978 in Paris, französischer Soziologe, Literaturkritiker und Philosoph) haben die Spiele der Menschen folgende fundamentale Eigenschaften:
Caillois unterteilte 1958 in "Les jeux et les hommes" Spiele in vier Grundkomponenten, von denen bei vielen Spielen mehrere davon vorkommen:
Diese wiederum bestehen in unterschiedlichem Anteil aus den Komponenten paidia, der ursprünglichen Tendenz zu Freude und Improvisation, sowie ludus, der künstlich aufgebauten Erschwernisse und Reglementierungen des Spiels.
Wettkämpfe als Spiel gab es bereits in der Antike (olympische Spiele) und im Mittelalter (Ritterturniere). In der Neuzeit entwickelten sich diese Spielart in Form von sportlichen Wettkämpfen erheblich. Ein bisschen sind hier aber auch die Komponenten Zufall (niemand weiß zuvor, wer gewinnt) und Rausch (der Gewinner erlebt häufig rauschähnliche Zustände) enthalten.
In dieser Art des Spielens setzen die Menschen ihren Körper mittels unterschiedlicher Spielgeräte den Kräften der Physik aus, um Schwindelgefühle und Zustände des rauschhaften Außer-sich-Seins hervorzurufen. Die einfachste Form ist die Gartenschaukel. Diesem Drang gibt man sich heute noch auf Rummelplätzen nach (Achterbahn, Kettenkarussell). Auch Bungee-Jumping gehört dazu, oder auch Fallschirmspringen und ähnliche "Sportarten". Auch die Verwendung bewusstseins-verändernder Substanzen gehört sicherlich dazu.
Der Zufall ist in vielen Spielen enthalten, besonders wenn man an Roulette, Blackjack, Würfeln, Glücksrad drehen oder Flaschen drehen denkt. Auch Kartenspiele / Würfelspiele fallen in diese Kategorie, wenngleich meist auch ein gewisser Anteil Geschicklichkeit notwendig ist. Das älteste bekannte Spiel mit kartenähnlichen Elementen stammt aus der Tang-Dynastie (618–907).
Eine heute noch lebendige Form dieses Spiels ist der Karneval. Anlass sich zu verkleiden gibt es zudem immer, sei es eine Straßenparade, eine Mottoparty, Halloween, Mittelaltermärkte, Junggesellenabschiede, Kindergeburtstage oder thematische Veranstaltungen wie der CSD oder ein Gothic-Treffen. Letztendlich ermöglicht das Spiel mit der Maske die vorübergehende Verwandlung in eine illusionäre Figur und damit die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit ohne Preisgabe der sozialen Stellung.
Die Spieltheorie von Roger Caillois zeigt, wie vielseitig und bedeutend Spielsituationen für menschliches Verhalten sind. Seine Einteilung in agon, alea, mimikry und ilinx macht deutlich, dass Spiele nicht nur Unterhaltung bieten, sondern grundlegende kulturelle Muster widerspiegeln. Caillois’ Ansatz verdeutlicht damit, dass Spiel ein zentraler Bestandteil menschlicher Kultur und Sozialität ist.